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Da würde mir total was fehlen.

BBB Johannes Deimling im Gespräch mit Lotte Kaiser, 2013



BBB Johannes Deimling: Wenn du eine Performance gemacht hast, und du erzählst davon deinen Freunden und deiner Familie, ist es für dich leicht zu erklären was Performance ist und was du gemacht hast?

Lotte Kaiser: Ich finde es ist immer ein bisschen kompliziert, weil man ja auch eine Atmosphäre während einer Performance erzeugt und eine Energie und eine Spannung zwischen dem Publikum und dem Performer und das kann man nicht wirklich gut beschreiben. Man kann natürlich erzählen, was man gemacht und was man sich dabei gedacht hat, aber die ‚Energie‘ die dabei entsteht kann man nicht gut beschreiben.

BBB: Stößt du denn damit auf Verständnis, wenn du das erklärst?

LK: Meine Freundinnen und meine Familie finden das eigentlich immer ziemlich toll, auch dass ich Performance mache. Und ich zeige ihnen dann auch immer die Bilder die dabei entstanden sind und dann verstehen sie es etwas besser.

BBB: Was gefällt dir am besten wenn du Performances zeigst?

LK: Ich find´ die Spannung die man dabei erzeugt und auch die Energie zwischen dem Publikum und dem Performer sehr interessant. Und auch die körperliche Anstrengung die man dabei erzeugt. Das ist schwierig zu beschreiben. Und auch der Moment, wo es dann losgeht und man dann total in der Performance ist und die Spannung aufbaut.

BBB: Wenn du jetzt sagst Spannung, was meinst du denn konkret damit? Dass ist natürlich ein sehr großes Wort aber was fällt dir dazu ein? Wie würdest du es beschreiben, wenn du das Wort Spannung benutzt?

LK: Naja, also wenn man eine Performance zeigt, ist man ja auch immer aufgeregt davor und wenn man dann loslegt und das Publikum ja auch sehr interessiert und gespannt auf die Performance ist, entsteht irgendwie so eine Spannung. Ich kann das schlecht beschreiben. Aber ich meine, eine Performance ohne Publikum ist sinnlos. Es kann auch nur eine Person zuschauen, aber sonst fehlt bei der Performance etwas – eben die Spannung.

BBB: Hat sich seitdem du Performance machst irgendwas für dich geändert?

LK: Ja auf jeden Fall. Vor allem nach dem ersten Performance Kurs, bin ich „reifer“ geworden. Ich habe mich weiter entwickelt, auch im Wortschatz und im Denken und im „Bilder finden“. Das ist auch meinen Eltern und meinen Freunden aufgefallen. In meiner Klasse gibt es eigentlich niemand, der Kunst macht und das merkt man dann auch im Unterricht. Wir haben jetzt zum Beispiel im Kunstunterricht Performance als Thema und da kann ich eben ziemlich viel dazu erklären und erzählen. Und das können andere die damit noch keine Erfahrungen gemacht haben natürlich nicht.

BBB: Hilft das deinen Mitschülern, dass du schon Erfahrungen in dem Bereich gemacht hast?

LK: Ja, ich sollte dazu dann auch ein bisschen was erzählen und das fanden alle ziemlich gut. Ich denke, dass hat damit zu tun, dass es jemand in ihrem Alter erzählt hat und vielleicht auch weil ich eine andere Sicht als die Lehrer auf das Thema hatte.

BBB: Denkst du, da geht es um die Art und Weise wie man es erklärt?

LK: Ja vielleicht ein bisschen. Unsere Kunstlehrerin hat es zwar gut erklärt, aber wenn es ein Jugendlicher erklärt, ist es wahrscheinlich noch ein bisschen was anderes.

BBB: Was habt ihr denn da so genau durchgenommen?

LK: Wir haben das Thema leider nicht wirklich lange gehabt. Zuerst sollte ich über meine Erfahrungen und Performances berichten und dann hat sie uns im Internet 2 Performances gezeigt. Und als Stundenaufgabe mussten wir zwischen Performances und „Nichtperformances“ unterscheiden.

BBB: Wenn du jetzt so erzählt hast, dass deine Eltern gesagt haben, dass du reifer geworden bist, kannst du dir vorstellen, wenn Menschen in deinem Alter Performance machen, dass sich etwas ändert? Findest du, dass junge Leute unbedingt Performance machen sollten?

LK: Ich finde, dass kommt immer so ein bisschen auf den Typ an. Wenn man sich überhaupt nicht für Kunst interessiert, sollte man es auch nicht erzwingen. Aber viele Jugendliche wissen auch überhaupt nicht, dass es Performance gibt. Da es viele Theaterangebote gibt, aber fast keine Performanceangebote für Jugendliche. Deshalb finde ich, man sollte den Jugendlichen eine Chance geben es auszuprobieren, und wenn es ihnen dann gefällt wie mir, auch weiterfördern.

BBB: Wo kommen deine Inspirationen her für deine Performances?

LK: Entweder mich interessiert ein Thema und dann versuche ich für dieses Bilder zu finden. Aber manchmal kommen auch einfach welche in meinen Kopf, wenn ich alleine, in Ruhe draußen rum laufe. Und dann schreibt man sich das auf und dann denkt dabei rum. Manchmal kommen auch Inspirationen, wenn man sich Videos oder Bilder von anderen Performances anschaut.

BBB: Wenn du deine Performances die du gemacht hast anschaust, welche von denen war deine beste Performance?

LK: Schwierig, ich finde die Performance, die ich in Dresden gemacht habe (Ballerina Revolution) am gelungensten.

BBB: Warum findest du sie am besten?

LK: Da sie viel mit mir zutun hatte, dadurch dass ich mich zum Spielzeug gemacht habe. In meinen Performances davor hatte ich immer ein Spielzeug mit dabei, bei dieser habe ich mich selber zu einem gemacht.

BBB: Wie ist es für dich wenn du Komplimente von jemandem aus einem ganz anderen Kulturkreis bekommst, der auch reifer und älter ist als du?

LK: Ich finde, dass überhaupt nicht schlimm. Und es macht mich auch ein bisschen stolz.

BBB: Wenn du eine Performance beendet hast, kannst du dieses Gefühl danach etwas beschreiben? Wenn du Applaus bekommen hast und die Leute rausgehen?

LK: Ich bin erst einmal ein bisschen erleichtert, dass alles geklappt hat. Und dabei freu ich mich auch aber bin auch traurig, dass die Performance vorbei ist. Das ist so ein Mischmasch Gefühl. Und ich freue mich auf das Feedback von den anderen und was sie in der Performance gesehen haben.

BBB: Was gehört für dich zu einer guten Performance? Was müssten Künstler dafür tun?

LK: Ich finde, man muss von der Ausstrahlung und dem was der Performer tut, total gebannt sein. Und egal was er macht, nicht mit den Gedanken abschweifen. Und auch wenn man das wieder schlecht beschreiben kann, wenn er ‚Energie‘ erzeugt.

BBB: Kannst du dir vorstellen Performance weiter zu machen? Willst du es weitermachen?

LK: Ja auf jeden Fall. Mir macht es total viel Spaß und ich habe damit etwas gefunden, was mich interessiert und inspiriert. Und wenn ich damit jetzt einfach aufhören würde, auch wenn ich nicht regelmäßig performe, würde mir total was fehlen. Das geht nicht.



Lotte Kaiser at Blauverschiebung No5, Performance Art Festival, Galerie, KUB, Leipzig, Leipzig